Literatur wird zu Musik

Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden, schrieb der deutsche Schriftsteller Berthold Auerbach. “Literatur übersetzt in Musik” war das Motto des Frühjahrskonzertes am vergangenen Sonntag. Nach der Begrüßung durch Martin Streicher eröffnete das Jugendblasorchester unter der musikalischen Leitung von Claudia Krohmer-Rebmann das Konzert. Yara Haug führte gekonnt durch das Programm und hatte Informationen zu den Stücken und Komponisten bereit. Mit “The Little Mermaid” von Hans Christian Andersen wurden die Zuhörer in die Welt von Triton und Arielle entführt. Der gefühlvolle Vortrag ließ vor dem inneren Auge eine Unterwasserwelt entstehen.
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Die “Chronicles of Narnia” erzählten Geschichten um die Entwicklung und den Untergang der Parallelwelt Narnia; in die Kinder aus dem Hier und Jetzt hin und her wechseln und Abenteuer mit Hexen, sprechenden Pferden und einem Prinzen erleben. Hogwarts, das Zauberschloss um Harry Potter, war Thema des Schlussvortrags der Jugendkapelle. Die Besucher konnten Harrys Abenteuer und auch seine Ängste vor Lord Voldemort nachfühlen. Mit anhaltendem Beifall wurde eine Zugabe gefordert, die die Musikerinnen und Musiker auch gerne erfüllten. “Aladdin” im Arrangement von Michael Sweeney entführte uns ins Morgenland. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der in den Besitz einer magischen Lampe kommt, in der ein Flaschengeist wohnt. Im Anschluss nahm die Bläserklasse des BZN auf der Bühne Platz. Für zwei Jahre haben die Schüler die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen und in dem dafür eingerichteten Orchester mitzuspielen. Lehrer Michael Manz hatte vier Stücke mit den jungen Musikern vorbereitet: “Woodpeckers Parade”, “Mr. Sax rocks again”, “Farandole” und “Sun Calypso”. Beifall belohnte das Orchester und den musikalischen Leiter. Zum Abschluss vor der Pause ergänzte das Jugendorchester das Bild auf der Bühne. Zwei gemeinsame Stücke wurden in einem Workshop im März erarbeitet und vorbereitet. “Along the Beaches of Normandy” unter der Leitung von Claudia Krohmer-Rebmann wurde vom 13jährigen Tyler Grant als Hommage an die Alliierten im Zweiten Weltkrieg geschrieben.
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Die Intensität der Komposition gibt sehr authentisch die Ankunft der Alliierten in der Normandie wieder. Mit Klatschen und Trappeln der Füße wurden die Klänge des Krieges zum Leben erweckt. Mit “Siyahamba”, einer südafrikanischen Hymne der Zulu, beschlossen die beiden Orchester den ersten Teil, die mit viel Applaus von der Bühne verabschiedet wurden.
Den zweiten Teil bestritt das Blasorchester unter der Leitung von Claudia Krohmer-Rebmann. Martin Streicher führte gekonnt und charmant durch diesen Programmteil. “Hobbits”, der 5. Satz der Sinfonie “Lord of the Rings” von Johan de Meij, stellt das sorgenfreie, optimistische Wesen der Hobbits in einem fröhlichen Volkstanz dar. Entschlusskraft und Edelmut des kleine Volkes findet ihren musikalischen Niederschlag in einer strahlenden Hymne, die sich aus einem Volkstanz entwickelt. Der Satz endet friedvoll und verhalten, wie es der Symbolik des letzten Kapitels der Trilogie, den Grauen Anfurten, entspricht: Frodo und Gandalf fahren mit einem Schiff hinaus auf die Hohe See, das sich bald, einem Schatten gleich, im Westen verliert. Nun konnte Martin Streicher noch eine besondere Ehrung vornehmen. Posaunist Reiner Riegler wurde für 40 Jahre als aktiver Musiker geehrt. Als Vertreterin des Blasmusikverbandes war Gabi Armbruster gekommen. Sie hob die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Verband und Vereinen hervor und durfte Reiner Riegler für 40 Jahre als aktiver Musiker eine Urkunde und Ehrennadel in Gold mit Diamant verleihen.
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Nicht nur als Musiker ist er aktiv: Er war Jugendleiter, ist Mitglied des Ausschusses und betreut seit vielen Jahren den Pommes-Stand auf dem Waldmusikfest. Frau Bürgermeisterin Höflinger gratulierte auch im Namen der Gemeinde und überreichte einen Präsentkorb. Tubist und Vizedirigent Jochen Schmid ist auch bereits seit 40 Jahren aktiver Musiker. Die Ehrung erfolgte im Herbst beim Jahreskonzert des MV Großbettlingen, bei dem er die Stammkapelle leitet. Das viersätzige Stück, “The Wind in the Willows”, einer Komposition ebenfalls von Johan de Meij, vertonte die Geschichte einer Ratte, eines Maulwurfs und eines Kröterichs an einem Fluss. Der Lebensraum Fluss wurde das Hauptmotiv des Stückes; verschiedene Instrumente und musikalische Themen charakterisierten Ratte, Maulwurf und Kröte. Schnelle, in der Lautstärke anschwellende Läufe endeten in einem lautstarken Geschepper, als der autoverliebte Kröterich seinen heißgeliebten fahrbaren Untersatz zu Schrott fährt. Das Publikum erlebte mit der “Tom Saywer Suite” das Amerika des 19. Jahrhunderts. In den fünf Sätzen werden die Hauptfiguren vorgestellt: Tom selbst, sein Freund Huck, die erste Liebe Becky Thatcher und Indianer-Joe. Jeder Person wurde ein musikalisches Thema zugeordnet, Tom und Huck werden durch Volkslieder charakterisiert, Beckys Thema erscheint melancholisch. Der vierte Satz ist geprägt von tristen und dunklen Tönen, als Merkmale für den bösen Joe. Das Ende der Suite zeigt hingegen die Erleichterung nach dem Entrinnen aus dessen Höhle. Zum Abschluss reisten Musiker und Zuhörer “In 80 Tagen um die Welt”. Jules Vernes Klassiker wurde mit viel Liebe zum Detail von Otto M.Schwarz nacherzählt. Auch hier forderte der lange Applaus eine Zugabe. Doch zuvor wurde Alexander Konzelmann offiziell als Vorstand des Musikvereins verabschiedet. Martin Streicher und Frau Bürgermeisterin Höflinger bedankten sich für die gute Zusammenarbeit und lobten sein großes Engagement für den Verein. Mit dem “Colonel Bogey-Marsch” verabschiedeten sich Orchester und Dirigentin von der Bühne.