Chronik

Musikverein Walddorfhäslach e.V.

 

Der Musikverein wurde 1928 als Musikverein Walddorf e.V. gegründet. Die Gründungsversammlung fand am 2. September 1928 statt. Fritz Weber und Ernst Bauer hatten alle Interessierten ins Gasthaus Ochsen eingeladen. Nach der Erläuterung von Vereinsziel und -zweck bekundeten 13 anwesende Herren handschriftlich ihre Mitgliedschaft. Schon damals wurde festgelegt, dass nicht nur die Musik Grundlage des vereinsmäßigen Zusammenschlusses sein soll, sondern auch die Kameradschaft eine wichtige Säule im Vereinsleben darstellen muss. Ein Ausschuss wurde gewählt; als Funktionäre wurde Herr Ernst Bauer als erster Vorstand und Herr Kaltenbacher als Kassier und Schriftführer gewählt. Durch die Kriegswirren zerschlagen, erfolgte die Wiedergründung 1949.

Nach dem Zusammenschluss der beiden Ortsteile Walddorf und Häslach benannte sich 2003 als erster der alteingesessenen Vereine der Musikverein um in Musikverein Walddorfhäslach e.V. Im Laufe der Jahre hat sich der Verein eine feste Stellung in der Vereins- und Infrastruktur der Gemeinde erarbeitet. Die musikalischen Highlights eines Jahres bilden Frühjahrs-, Herbst- und Kirchenkonzert. In diesem Rahmen gab es Doppelkonzerte in Walddorfhäslach mit dem Musikverein aus Maîche (1999) oder dem SWR4-Blasorchester (2000). Henk van Lijnschooten sorgte 1992 für ein besonderes Konzerterlebnis. Der vielseitige Musiker und Komponist dirigierte seine eigenen Werke. Steven Mead konnte 2003 als Solist mit seinem Euphonium verpflichtet werden. Eine Auftragskomposition im Rahmen des Landestonkünstlerfest bildete einen weiteren Konzerthöhepunkt. Ein auch instrumental ungewöhnliches Konzert wurde 1993 aufgeführt: Bürgermeister, Arzt, Rektor und Pfarrer begleiteten das Blasorchester mit Staubsaugern als Instrumente. Ein Höhepunkt für den Verein war sicherlich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft für Blasorchester 1993 in Kerkrade/Niederlande. Der Verein war als Nobody angetreten und kam mit einer Goldmedaille nach Hause. Es folgten weitere Erfolge bei Wertungsspielen auf Landes- und Regionalebene.

Beim Frühjahrskonzert 1987 wurde die erste Langspielplatte mit „Blasmusik aus Walddorfhäslach“ vorgestellt. Mit Aufnahmen wie „Unter dem Doppeladler“, „Eine Reise ins Glück“, „Spiritual Contrasts“ oder „Yankee Doodle Rag“ war die aktive Kapelle jetzt nicht mehr nur bei Liveauftritten zu hören.

Immer wieder stellen Musiker und Dirigent ihre Fähigkeiten einem guten Zweck zur Verfügung. Benefizkonzerte wurden für verschiedene Träger von Hilfsprojekten veranstaltet: Unterstützung fand Aditepp, eine Hilfsorganisation in Brasilien. Damit verbunden war eine Reise nach Curitiba, wo auch vor Ort mehrere Konzerte gegeben wurden. „GEA-Leser helfen“ (1994) und der „Weiße Ring“ erhielten den Erlös aus Auftritten des Vereins. Matthias Berg, ein durch Contergan behinderter Musiker, war nun schon zweimal als Solohornist zu Gast in Walddorfhäslach. Das letzte Mal, beim Frühjahrskonzert 2008, wurde das Projekt ProSeLe der Bruderhausdiakonie in Reutlingen unterstützt.

Aber auch außermusikalisch tritt der Musikverein in Erscheinung: Das viertägige Waldmusikfest am Himmelfahrtswochenende wurde 1956 ins Leben gerufen und ist mittlerweile überregional bekannt. In einem großen Festzelt am Schönbuchrand bewirten die Musikerinnen und Musiker Gäste nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung. Auch das Probenwochenende vor dem Herbstkonzert und Aktionen wie „Wer hilft, gewinnt“, bei dem die handwerklichen Fähigkeiten der Vereinsmitglieder zugunsten sozialer Projekte gefordert werden, stärken den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl.

Ständig gewachsen, hat der Verein derzeit knapp 300 aktive und passive Mitglieder und Ehrenmitglieder. Im großen Orchester spielen 60 Musikerinnen und Musiker. Von Konzerten über fröhliche Feste bis hin zur Umrahmung offizieller Anlässe, für jede Gelegenheit ist im Repertoire der Orchester etwas vorhanden. Blasorchester, Jugendblasorchester, die Egerländer Musikanten und die Bigband zeigen die musikalische Vielfalt in Klangfarbe und Stil. Verschiedene Ensembles umrahmen musikalisch neben dem Neujahrsempfang der Gemeinde und Firmenveranstaltungen auch das Treiben auf dem Weihnachtsmarkt. Auch die Begleitung von Trauerfeiern und das Spielen von Geburtstagsständchen gehören zum musikalischen Alltag.

Das Jugendorchester besteht seit 1979 und gehört zu den größten in der Region. Der erste große Auftritt als Jugendkapelle mit ungefähr 25 Musikerinnen und Musikern in eigener Uniform erfolgte beim Frühjahrskonzert 1982. Seither ist das Jugendorchester ein fester Bestandteil der Konzertabende in der Gemeindehalle. Das Jugendblasorchester nahm regelmäßig an Jugendkritikspielen sowohl auf Regional- als auch auf Landesebene teil. Eine Kooperation mit den Schulen der Region unterstreicht den hohen Stellenwert der Jugendarbeit im Verein. Das von den Schülern der Gustav-Werner-Schule aufgeführte Zirkusprojekt wurde vom Jugendorchester untermalt. Schon vor mehr als zehn Jahren wurde die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium im Bildungszentrum Nord in Reutlingen aufgenommen. Mit einem gemeinsamen Konzert von Jugendkapelle und Schulorchester im Frühjahr 1997 wurde der Grundstein gelegt für eine bis heute andauernde Kooperation.

Ein weiterer Pfeiler der Jugendarbeit war der Aufbau des vereinseigenen Instrumentalunterrichts. Musiklehrer mit qualifiziertem Abschluss bilden den Nachwuchs aus. Das Unterrichtsangebot reicht von der musikalischen Früherziehung, dem Blockflötenunterricht bis hin zur Ausbildung an Orchesterinstrumenten.

Evelyn Konzelmann